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Responsive Design oder alter Wein in neuen Schläuchen

HTTP und Tim Berners-Lee

Als Tim Berners-Lee 1989 im europäischen Kernforschungszentrum CERN den Bedarf für einen verbesserten Informationsaustausch erkannte und seinem Arbeitgeber entsprechende Vorschläge unterbreitete, hatte er die Notwendigkeit der  Geräteunabhängigkeit bereits erkannt. In seinem Buch "Weaving the Web", in deutscher Übersetzung "Der Web Report", beschreibt er seinen Ansatz wie folgt:

"Während meiner Vorträge zeigte ich Diagramme all jenen Arten von Computern, die über das Internet verbunden waren - von Mainframes mit einfachen zeichenorientierten Terminals über PCs und Macs bis hin zu allem möglichen anderen Zeug. Um die Kommunikation zwischen ihnen allen zu ermöglichen, beauftragte ich Nicola, dem Web den bestmöglichen Browser zu verpassen, aber dabei so wenige Voraussetzungen wie möglich zu machen, damit diese Schnittstelle auf jeder Art von Computer laufen würde. Der kleinste gemeinsame Nenner, von dem wir bei den verschiedenen Computertypen ausgehen konnten, war, daß sie alle mit irgendeiner Form von Tastatur als Eingabegerät ausgestattet waren und daß sie alle ASCIIZeichen (Nur-Text) erzeugen konnten. Der Browser mußte so einfach sein, daß er sogar auf einem Fernschreiberterminal eingesetzt werden könnte. Wir bezeichneten ihn als Zeilenmodus-browser, weil Fernschreiber und frühe Computerterminals Text nur zeilenweise ausgaben." (Tim Berners-Lee, Der Web Report, Der Schöpfer des World Wide Web über das grenzenlose Potential des Internets. ECON München 1999 ISBN 3-430-11468-3)

Browserkrieg

Mit steigender Popularität stiegen auch die Ansprüche an die optische Aufbereitung der dargebotenen Informationen. Werbegrafiker, deren Medium bis dahin Papier war, konnten mit Ausgabegeräten wie Fernschreibern und einfachen Terminals absolut nichts anfangen. Zu dieser Zeit (ca. 1995) entdeckte auch Microsoft das Internet. Mit der für Microsoft typischen Rücksichtslosigkeit wurde der eigene Browser entwickelt und in den Markt gepresst. Rücksicht auf Standards ist Microsoft schon von jeher fremd, im Gegenteil: Wo immer es möglich ist, hebelt der Konzern Standards aus, um die Marktanteile eigener Produkte zu sichern.

So kam es zum Browserkrieg. Microsoft und Netscape überboten sich gegenseitig mit Erweiterungen des HTML-Standards, was dazu führte, dass viele Webseiten nur noch mit einem bestimmten Browser zu betrachten waren. Alte Hasen erinnern sich noch an den geflügelten Satz: "Diese Seite ist optimiert für XYZ", und Webeditoren erinnern sich mit Grauen an die Klimmzüge, die sie zu unternehmen hatten, um ansprechende und kompatible Seiten zu gestalten.

Smartphones, Tablets & Co.

Mit der rasanten Zunahme mobiler Geräte und der Einführung neuer Bildschirmformate für den Desktop rückt nun die Geräteunabhängigkeit wieder mehr in den Fordergrund. So findet man beispielsweise den Satz "Diese Seite wurde für eine Bildschirmauflösung von xxx optimiert"  kaum noch. Immerhin liefert mir Google auf den Suchbegriff "Diese Seite wurde für eine Bildschirmauflösung"  noch 3810 Treffer.

Back to the roots?

Mit dem Schlagwort "Responsive Design" kehren wir also zu den Wurzeln des guten alten HTML zurück, für die Geräteunabhängigkeit als Grundvoraussetzung definiert war. Gleichzeitig haben wir heute durch die Cascading Style Sheets (css) die Möglichkeit, gezielt auf die unterschiedlichen Fähigkeiten verschiedener Ausgabegeräte einzugehen. Die Bedeutung von Kompatibilitätsproblemen nimmt ab, weil es inzwischen eine ganze Reihe von Browsern verschiedener Hersteller gibt, und die Hersteller damit gezwungen sind, sich weitestgehend an den bestehenden Standards zu orientieren.

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